· 

Reisemüde!?

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll oder nicht. Und auch auf die Gefahr hin, dass viele, die das lesen, mich nicht verstehen werden, teile ich meine Gedanken zu diesem Thema.

 

Ich bin reisemüde. Und zwar so richtig. Nicht erst seit gestern, sondern schon seit Wochen. So richtig bewusst wurde mir das, nachdem ich Neuseeland verlassen hatte. Alles war irgendwie anstrengend. Ich hatte keine Lust auf Unternehmungen und die ständige Suche nach einem Hostel für die Nacht war nur noch nervig. Immer wieder nahm ich mir vor, an einem Ort länger zu bleiben und einfach mal nichts zu machen. Und dann machte ich es doch nicht. Das lag vor allem daran, dass ich mich in den USA einfach nicht wohlfühlte und alles so dermaßen teuer war. So reiste ich also weiter und merke immer mehr, dass das auf Dauer so nicht weitergehen konnte. 

 

Ich liebe das Reisen! Wie kann es sein, dass sich das, was ich liebe, plötzlich gar nicht mehr leicht und erfüllend anfühlt? Wie kann es sein, dass ich unglücklich bin, obwohl ich doch genau das mache, was ich unbedingt machen wollte!? Diese Fragen führten dazu, dass ich alles in Frage gestellt habe. Ich wollte wieder Spaß am Reisen haben. Das konnte doch nicht so schwer sein.

 

Immer wieder kam mir der Gedanke in den Kopf, dass mit mir etwas nicht stimmt. Dass ich diese Gefühle nicht haben sollte. Aber ein Hoch auf das Internet, in dem man ja bekanntlich ALLES findet. So entdeckte ich dort etliche Reiseberichte von Langzeitreisenden, denen es ganz genauso ging. Oft sogar schon nach kürzerer Zeit. Puh. Zumindest fühlte ich mich jetzt ein bisschen besser verstanden.

 

Jetzt ging es nur noch darum, das "Problem" zu lösen. Mir war schnell klar, dass ich in den USA nicht zur Ruhe kommen würde. Deshalb flog ich kurzerhand nach Cancún. Ohne irgendeinen Plan. Wobei doch. Es gab einen Plan: Zur Ruhe kommen. 

 

Lustigerweise traf ich kurz nach meiner Ankunft in Cancún André aus Berlin, der mir - passend zu diesem Thema - genau die richtige Frage stellte: "An welchem Ort warst du denn mal länger?"... Gute Frage. Nächste Frage. Denn, obwohl ich seit fast 10 Monaten unterwegs bin, war ich an keinem Ort länger als drei Tage. Drei Tage! Und ich dachte, ich reise langsam. Ich dachte das wirklich. Und doch war es immer so, dass ich das Gefühl hatte, es gibt noch so viel zu sehen, ich "muss" weiterreisen... Und das habe ich dann auch gemacht. Und es hat mir Spaß gemacht! Ich würde es wahrscheinlich genauso wieder machen :) Trotzdem war jetzt definitiv der Zeitpunkt gekommen, um ein bisschen langsamer zu machen bzw. VIEL langsamer zu machen.

 

Seit drei Wochen bin ich jetzt in Mexiko und ich mache wirklich fast nichts. Und ja, es fällt mir verdammt schwer. Vor allem, weil dann die Gedanken in meinem Kopf besonders laut werden. Wer kennt´s? :)

 

Aber ich bemühe mich und die mexikanische Hitze macht es mir ein bisschen leichter. Denn wer will schon bei 40 Grad irgendwelche Mayaruinen besichtigen? Ich sicher nicht. Deswegen gibt es momentan auch nicht viel zu erzählen. Ich ruhe mich einfach aus. Auch wenn das für viele absurd klingen mag. Vom Reisen ausruhen? Ja, genau das mache ich. Deshalb gibt es ja auch einen Unterschied zwischen "Urlaub" und "Reisen". Ich mache quasi Urlaub vom Reisen :)

 

P.s.: Das Foto ist (natürlich) in Neuseeland entstanden. Das wohl einzige Foto, das ich besitze, auf dem jemand gähnt und von daher annähernd zum Thema passt...