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Australien - Teil 2

Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, in Australien ein Auto zu mieten, aber aufgrund der fehlenden Bus- und Zugverbindungen blieb mir nichts anderes übrig. Ich hätte natürlich einfach den Nachtbus (12 Stunden) von Sydney nach Melbourne nehmen können, aber dann hätte ich ja die ganze Küste verpasst :)

 

So kam ich also zu meinem kleinen "Flitzer", wie ich ihn gleich liebevoll taufte, weil er bei der kleinsten Berührung des Gaspedals einen Satz nach vorne machte. Kein Vergleich zu meinem alten, gemütlichen Campervan :) Das Autofahren in Australien ist auf jeden Fall anders und dementsprechend gewöhnungsbedürftig. Viel mehr Verkehr! Viel häufiger Autobahnen und lange Strecken. Und: Weniger Kurven als in Neuseeland. 

 

Insgesamt waren es um die 1300 Kilometer, die ich in gut einer Woche zurücklegte. Ein bisschen außerhalb von Sydney gestartet und dann die Küste entlang nach Melbourne. 

 

Übernachtet habe ich in Hostels bzw. zwei Nächte in einer kleinen Hütte auf einem Campingplatz. Denn die meisten Backpacker reisen von Sydney aus nach Norden. Auf dieser Strecke gibt es jede Menge Hostels. Nicht so aber auf dem Weg nach Melbourne. Es war teilweise wirklich schwierig, überhaupt eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Als ich dann eine Nacht in einem "Partyhostel" landete, merkte ich wieder, dass das einfach nichts für mich ist! Zu laut, zu viele Menschen... 

 

Glück hatte ich in Merimbula im Hostel, denn da hatte ich zwei Nächte das Vierbettzimmer für mich alleine :) Und die Hütte auf dem Campingplatz in Bairnsdale war für ich regelrechter Luxus! Seit fast vier Monaten das erste Mal wieder in einem großen Doppelbett geschlafen :) Ja, das Reisen macht bescheiden. Umso mehr freut man sich über vermeintlich kleine Dinge, die zuhause ganz "normal" waren.

 

Mein Roadtrip ging auf jeden Fall gut los: Traumhafte Strände, Sonnenaufgänge am Meer, wilde Küsten, kleine Hafenstädtchen und bestes Sommerwetter!

Ich glaube, was wohl fast jeder mit Australien verbindet, sind Kängurus und Koalas. Ich machte mir nicht allzu große Hoffnungen, welche zu sehen, weil ich ja wirklich nur kurz hier war und vor allem nur einen sehr kleinen Teil des Landes bereiste. 

 

Was soll ich sagen? Ich hatte wohl einfach großes Glück :) Los ging es am Pebbly Beach. Direkt am Parkplatz entdeckte ich einen riesigen Waran, der sicher an die zwei Meter lang war! Und dann waren da etliche Kängurus bzw. wie sich später herausstellte, waren es wohl Wallabys. Der Unterschied: Wallabys sind kleiner als Kängurus. Aber egal, ob Kängurus oder Wallabys, ich freute mich riesig, diese Tiere zu sehen!

Kängurus (oder Wallabys) in freier Wildbahn zu sehen, war auf jeden Fall ein absolutes Highlight für mich! Aber es sollte tatsächlich noch "besser" werden.

 

Auf der Suche nach einer Unterkunft, entdeckte ich im Internet eine Rezension, in der eine kleine Insel erwähnt wurde, auf der es jede Menge wilde Koalas geben sollte. Die Unterkunft buchte ich zwar nicht, aber ich fand heraus, wo sich diese Insel befand und da sie auf dem Weg lag, machte ich einen Abstecher dorthin: Raymond Island in der Nähe von Bairnsdale.

 

Der Augenblick, als ich den ersten Koala im Baum entdeckte, war unbeschreiblich! Wie süß sind bitte Koalas!?

 

Ähnlich wie Faultiere lassen sie sich super fotografieren, weil sie fast den ganzen Tag schlafen - bis zu 20 Stunden!

Auf dem letzten Foto sieht man, wie hoch oben in den Bäumen sich die Koalas teilweise aufhalten. Ich bin also wieder mal sehr, sehr dankbar für den guten Zoom meiner Kamera! 

 

Die Koalas haben mich total verzaubert! Ich konnte gar nicht aufhören, sie zu beobachten und von allen Seiten zu fotografieren :) Als ich dann ein bisschen ins Gebüsch gelaufen bin, um ein Foto zu machen, hörte ich plötzlich ein Rascheln hinter mir... Ich konnte es fast nicht glauben, aber da waren jede Menge Kängurus im Gebüsch! Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass es diesmal Kängurus und nicht Wallabys waren, denn sie waren um einiges größer und der Kopf sah etwas anders aus... 

Diese kleine Insel hatte es wirklich in sich. Koalas, Kängurus, verschiedene kunterbunte Papageien, und dann entdeckte ich sogar einen Ameisenigel! Neben dem Schnabeltier das einzige Säugetier, das Eier legt... Ein Paradies also für alle Tierliebhaber :) 

Das war aber immer noch nicht alles! Auf dem Rückweg zur Fähre kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die auf der Insel wohnte und gerade in ihrem Garten beschäftigt war. Sie erzählte mir, dass sie vor einiger Zeit eine Koala-Mama mit ihrem Baby gesehen hätte. Als wir so redeten, schauten wir immer wieder in die Bäume und hielten Ausschau. Und tatsächlich: Die Koala-Mama war mit ihrem Baby im Baum des Nachbargartens unterwegs! Soooooooo süß!!!

Die nächsten und gleichzeitig letzten Tage in Australien war das Wetter leider nicht mehr so gut. Zwar immer noch warm, aber sehr bedeckt und regnerisch. Highlight beim Autofahren waren die gelben Schilder am Straßenrand, die daran erinnerten, dass hier Koalas und Kängurus unterwegs sind. Leider sah ich unterwegs auch einige totgefahrene Kängurus am Straßenrand, was weniger schön war.

Bevor ich nach Melbourne in die Stadt fuhr, stoppte ich in St Kilda, einem am Meer gelegenen Vorort und gleichzeitig einem beliebten "Stadtstrand".

Melbourne stand dann mal wieder ganz im Zeichen von Streetart... Eigentlich war es sogar mehr als "nur" Streetart. Es gab ein paar Gassen, die einfach über und über voll mit Postern, Aufklebern, Graffiti und eben Streetart waren. Richtig cool!

That`s it. Zwei Wochen Australien. Wie gesagt, viel zu kurz, um mir ein Urteil über dieses Land bzw. diesen Kontinenten bilden zu "dürfen". Trotzdem kann ich sagen, dass mir das, was ich gesehen habe, gefallen hat. Und ich bin mir sicher, Australien ist eine "richtige" Reise, also mehrere Wochen oder sogar Monate, wert. Vor allem die Westküste würde mich reizen... Aber nicht in naher Zukunft. Vielleicht irgendwann einmal... 

 

Ich bin sehr froh, dass ich den Abstecher nach Australien gemacht habe. Schon allein wegen der Koalas und der Kängurus hat es sich gelohnt! Dass ich diese Tiere mal in freier Wildbahn sehen würde, hätte ich nicht gedacht! Und da sieht man mal wieder: Wenn man keine Erwartungen hat, kann man nur positiv überrascht werden.

 

Trotzdem bleibe ich dabei: Mein Herz schlägt für Neuseeland! Für die unberührte Natur hier, die vielen Schafe, die wenigen Menschen, die kurzen Entfernungen.

 

Und deshalb ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich, während ich das hier schreibe, gemütlich in meinem Campervan liege. Seit gut einer Woche bin ich wieder in Neuseeland und das ist auch gut so :)