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Acatenango - Tag 2

Basecamp. 3.45 Uhr. Die Nacht war kurz UND kalt.

Als ich aus dem Zelt klettere, erwartet mich ein Sternenhimmel, wie ich ihn in der Form noch nicht gesehen habe. Unbeschreiblich schön! Schnell noch eine Banane essen, nachdem ich endlich wieder ein bisschen Appetit habe, und es kann losgehen.

 

Aufstieg zum Gipfel

Dick eingepackt und mit Stirnlampe geht es los. Ein Weg ist eigentlich nicht vorhanden; es geht einfach steil durch Vulkansand den Berg hinauf. Bis auf die Sterne und ein paar Lichter unten in der Stadt ist es stockdunkel und wir kommen nur langsam voran. Die Luft ist dünn und es ist einfach so dermaßen anstrengend, dass ich alle paar Meter stehen bleiben muss, um durchzuschnaufen. Ob das jetzt an der Höhenkrankheit liegt oder ob ich doch nicht so fit bin, wie ich eigentlich dachte... Man weiß es nicht. Ich weiß nur, dass der Aufstieg zum Gipfel wirklich grenzwertig war. Zwischendurch war ich kurz davor, einfach "aufzugeben" und stehen zu bleiben. Aber das war einfach keine Option. Wir waren als Gruppe unterwegs und das Ziel war der Gipfel. Außerdem war es schlichtweg zu kalt, um sich auf den Boden zu setzen, trotzig zu sagen "Ich mag nimmer" und darauf zu warten, dass die Gruppe wieder zurückkommt.

 

Ich habe im Vorfeld Geschichten gehört, dass Leute, die ohne Führer den Vulkan besteigen wollten, auf dem Weg dorthin erfroren sind. Jetzt glaube ich diese Geschichten auch und kann mir das wirklich vorstellen! Es hat sicher nur um die 0 Grad und außerdem weht ein eisiger Wind.

 

Also kämpfe ich mich weiter bergauf. Zwischendurch bleibe ich immer wieder mal stehen und atme tief ein und aus. Das hilft. Außerdem helfen mir Lisa und Michi, die mit mir zusammen das "Schlusslicht" unserer Gruppe bilden und ebenfalls an ihre Grenzen kommen. Luis wartet zwar zwischendurch immer mal auf uns, aber insgesamt merke ich einfach, dass ich nicht so fit bin wie sonst. 

 

"Ich schaffe das. Ich schaffe das. Ich schaffe das." - Irgendwann fange ich an, mir diesen Satz wie ein Mantra im Kopf vorzusagen. Und siehe da. Es hilft tatsächlich. 

Nach circa 1,5 Stunden haben wir es geschafft und stehen tatsächlich auf 3976 Meter! Auf dem Gipfel des Acatenango. 

Gefühlt hat es jetzt unter 0 Grad und der Wind pfeift so heftig, dass ich mich wie im tiefsten Winter fühle.

ABER der Ausblick entschädigt für alle Strapazen. Die Sonne geht auf und es sieht einfach magisch aus! 

Besonders lange halten wir es allerdings nicht am Gipfel aus, weil es einfach zu kalt und windig ist.... Aber schon interessant, wie das Gehirn und der Körper so funktionieren: Kaum am Gipfel scheinen die Anstrengungen vergessen. Gut, dass das so ist :)

 

And all the way down...

Der Rückweg vom Gipfel macht richtig Spaß! Wir "schlittern" den Hang hinunter, und jetzt hat der Vulkansand doch etwas Gutes. So kommen wir sehr schnell voran und haben auch noch Spaß dabei. Außerdem gibt es unterwegs immer wieder herrliche Ausblicke, während es langsam hell wird.

 

Im Basecamp kocht Luis dann heißes Wasser am Lagerfeuer und es gibt wahlweise Kaffee oder heiße Schokolade. (Denn kalt ist es immer noch.) Ich wärme mir meine "angefrorenen" Füße am Feuer, was richtig gut tun.

Der Volcán de Fuego ist weiter sehr aktiv und es steigen immer wieder dunkle Rauchwolken auf. Bei strahlend blauem Himmel schaut es besonders schön aus!

 

Nach der kleinen Stärkung am Lagerfeuer machen wir uns auf den Rückweg. Das Wetter ist immer noch auf unserer Seite und wir werden nicht nass. Es geht drei Stunden lang bergab, ist teilweise ziemlich rutschig wegen des Sandes und zwei Mal setze ich mich unfreiwillig auf meinen Hintern. Sonst klappt aber alles gut und wir sind alle glücklich und ein bisschen stolz, dass wir es geschafft haben!

Am Ausgangspunkt geben wir die Daunenjacken, Handschuhe und Wanderstöcke ab und dann geht es mit dem Bus zurück nach Antigua.

 

Fazit

Ich bin sehr dankbar für die Erfahrung, die ich an diesen beiden Tagen machen durfte. Vielleicht war es mal wieder an der Zeit, an meine Grenzen zu kommen. Und es fühlt sich sooooo gut an, wenn man es geschafft hat!

Und der Ausblick und die Tatsache, dass man auf fast 4000 Metern auf einem VULKAN stand, hat für so einiges entschädigt. Definitiv ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde!

 

Danke, Guatemala, dass du mir so einen fantastischen Start bereitet hast!