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Acatenango - Tag 1

Meine erste Vulkanbesteigung: Eine zweitägige Tour auf den Acatenango (3976 m), der zusammen mit dem äußerst aktiven Fuego einen Doppelvulkan bildet. Beide Vulkane sind nur circa 30 Kilometer von Antigua entfernt und man kann sie vom Stadtzentrum aus sehen.

Im Juni diesen Jahres gab es einen heftigen Vulkanausbruch am Fuego mit mehr als 200 Toten! Sie sind halt leider einfach unberechenbar diese Vulkane...

 

Los geht's!

Als ich die Tour buchte, wurde mir gesagt, ich sollte mindestens vier Liter Wasser mitnehmen und mich auf kalte Temperaturen einstellen. Da wurde mir dann doch ein bisschen "mulmig" zu Mute und ich war ziemlich aufgeregt, was mich tatsächlich erwarten würde. Bergtouren war ich ja gewohnt, aber so eine Vulkanbesteigung war vielleicht dann doch noch mal ein anderes Kaliber.

Um 9 Uhr ging es los und ich wurde mit einem Kleinbus am Hostel abgeholt. Wir sammelten die anderen sieben Personen und unseren Guide Luis ein und das Abenteuer konnte beginnen. Unterwegs machten wir dann noch einmal Halt und jeder bekam seine "Essenstüte" in die Hand gedrückt, die wir in unseren Rucksäcken verstauten. Außerdem konnte man eine dicke Jacke und Handschuhe leihen. Angeblich sollte es am Gipfel nur um die 0 Grad haben. So ganz konnte ich mir das noch nicht vorstellen, aber so eine dicke Jacke konnte ja nicht schaden. Und da ich weiß, wie verfroren ich bin, nahm ich die größte Daunenjacke, die zur Auswahl stand. Sicher ist sicher.

Am Ausgangspunkt liehen wir uns dann noch jeder einen Wanderstock und es war die letzte Chance, um auf ein "richtiges" Klo zu gehen. Danach gab es für die nächsten 1,5 Tage nur noch das "Natur-Klo" :) 

 

Der Aufstieg zum Basecamp

 

Ich hatte total Glück mit unserer Gruppe. Es waren zwei deutsche Pärchen, ein Holländer und ein Engländer, die alle total nett waren. Das US-Girl merkte nach der ersten halben Stunde, dass es ihr doch zu anstrengend war und drehte um. 

Der Weg war von Anfang an sehr steil und der Vulkansand machte den Aufstieg ziemlich mühsam. Unser Guide war aber super und hat von Beginn an gesagt, dass wir die Besteigung als Gruppe machen und deshalb auch immer aufeinander warten werden. Insgesamt waren wir aber alle recht ähnlich fit und wanderten motiviert bergauf. Am Anfang ging es durch Maisfelder, später durch den Wald und dann entlang der Baumgrenze weiter. Wir hatten Glück mit dem Wetter und bis auf einen kleinen Regenschauer gegen Ende gab es richtig viel Sonne. Nach fünf Stunden und mehreren kleinen Pausen hatten wir die gut 1000 Höhenmeter geschafft und erreichten das auf 3600 Meter liegende Basecamp. Dort erwarteten uns zwei Zelte und ein herrlicher Blick auf den Volcán de Fuego und den Vulkan Aqua. Der Fuego war sehr aktiv, während wir im Basecamp waren und es donnerte immer wieder und dunkle Rauchwolken stiegen auf. Das war schon wirklich ein Erlebnis! In der Ferne sah man außerdem den Vulkan Pacaya, der Lava spuckte!!!

Luis machte ein kleines Lagerfeuer, an dem sich nicht nur wir, sondern auch die Hunde aufwärmen konnten. Mittlerweile war es so kalt, dass ich relativ schnell Daunenjacke, Stirnband und Handschuhe anzog. 

Pünktlich zum Sonnenuntergang wanderten wir noch ein Stück weiter, um einen besseren Ausblick zu haben und ich merkte, dass irgendwas mit mir nicht stimmte...

 

Höhenkrankheit

Den Aufstieg zum Basecamp hatte ich recht mühelos geschafft, auch wenn es natürlich anstrengend war. Gegen Abend bekam ich dann aber heftige Kopfschmerzen und mir war richtig flau im Magen. Ich dachte mir nichts weiter dabei, sondern trank viel Wasser und legte mich zwischendurch mal ins Zelt. Als Luis dann unser Abendessen am Lagerfeuer (Spagetti mit Tomatensoße) zubereitete, war ich immer noch guter Dinge und dachte, dass ich vielleicht einfach nur Hunger hätte. Das Gegenteil war aber der Fall. Ich brachte gerade mal zwei Bissen runter... Andi freute sich, denn so kam er in den Genuss einer zweiten Portion :)

Mittlerweile war Luis auch ziemlich besorgt und es war offensichtlich, dass ich höhenkrank war. Ich hatte das so ähnlich schon einmal vor ein paar Jahren in Peru erlebt, aber bei weitem nicht so heftig. Netterweise mixte mir Luis ein angebliches Wundermittel gegen Höhenkrankheit: Wasser, Limette, Salz und Alka Seltzer. Keine Ahnung, ob es Sinn der Sache gewesen war, aber nach einem Schluck des "Blubberwassers" musste ich mich mehrmals übergeben... Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, aber zumindest ging es mir danach ein bisschen besser. Trotzdem machte ich mir Sorgen, wie die Nacht im Zelt bei der Eiseskälte werden würde, und vor allem ob ich am nächsten Morgen fit für den Aufstieg zum Gipfel wäre.

 

Die Nacht im Zelt...

Es war kalt. Sehr kalt. Mittlerweile hatte ich meine Leggins unter die Jeans gezogen, trug Wollsocken und das Stirnband behielt ich auch auf. Und trotzdem zitterte ich am ganzen Körper, als ich mich in den Schlafsack legte. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich hier schlafen sollte. Der Holländer neben mir schien schon friedlich zu schlafen und ich beneidete ihn sehr. (Am nächsten Morgen erzählte er mir allerdings, dass er maximal eine halbe Stunde insgesamt geschlafen hätte. Für mich sah das anders aus...) Irgendwie ging die Nacht aber dann doch rum, wobei ich die meiste Zeit wach lag und versuchte nicht darüber nachzudenken, wie kalt mir war. Außerdem gab es auch in der Nacht immer wieder Vulkanausbrüche, die sich wie ein lautes Donnergrollen anhörten und mich aufschrecken ließen. 

 

Fazit nach dieser Nacht: Ich bleibe dabei: Zelten ist nichts für mich :) Aber die Aussicht, am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang auf dem Vulkan zu stehen, macht auch so eine Nacht im Zelt erträglich.

 

Fortsetzung folgt...